Schluss mit der Ungleichbehandlung: Arbeitsverträge für Lehrbeauftragte

12. November 2019
Gemeinsame Pressemitteilung von DOV und bklm
ca. 2.200 Zeichen

DOV und bklm fordern Politik und Hochschulen zum Handeln auf

Berlin – Die Deutsche Orchestervereinigung und die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen fordern wirksame und schnelle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nicht festangestellter Hochschullehrerinnen und -lehrer, vor allem bei der Vergütung. Bislang werden Lehraufträge durch Verwaltungsakt vergeben. Damit begründet die Hochschule mit Lehrbeauftragten ein so genanntes öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis eigener Art. Die Wahl dieser Rechtsform lässt kein ausgewogenes Verhältnis von gegenseitigen Rechten und Pflichten zu.


Dieses Problem führt dazu, die bisherige Praxis mit willkürlichem Handeln zu vergleichen. „Um faire Arbeitsbedingungen herzustellen, sind die Hochschulen auf Anpassungen der Landeshochschulgesetze angewiesen“, sagt Jan-Christian Hübsch, bevollmächtigter Stellvertreter des Geschäftsführers der Deutschen Orchestervereinigung (DOV). „Deshalb ist das gemeinsame Ziel der Bundeskonferenz und der DOV, den Lehrauftrag als privatrechtliches Vertragsverhältnis auszugestalten.“ Über diesen Weg ist die Abkehr von der Lehrauftragsvergabe mittels Verwaltungsakts denkbar.

Als Interessenvertretung der Lehrbeauftragten kämpft die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) seit zehn Jahren mit Unterstützung der DOV für die finanzielle und soziale Besserstellung der Lehrbeauftragten. Mit viel Engagement gelangen an einigen Hochschulstandorten Fortschritte, jedoch längst nicht bundesweit. „Das muss sich endlich ändern“, sagt Birgit Schmieder, die gemeinsam mit Ulrike Höfer beim zehnten bundesweiten bklm-Treffen als neue Sprecherin gewählt wurde. „Lehrbeauftragte werden trotz der gleichen Arbeit wie Hochschulangestellte mit festen Arbeitsverträgen ungleich behandelt. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Gleichheitsgebot, an dem sich das Verwaltungshandeln jeder Hochschulen messen lassen muss.“

In einer Erklärung, die vor kurzem in Stuttgart verabschiedet wurde, fordern DOV und bklm, den Lehrauftrag als privatrechtliches Vertragsverhältnis auszugestalten. Denn nur so können die Hochschulen gleichzeitig faire Arbeitsbedingungen und Qualität der Lehre sicherstellen. Hübsch: „Hierfür müssen die landesgesetzlichen Grundlagen geschaffen und die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden.“

Anhang: Stuttgarter Reformatio

Kontakt:
Uli Müller
DOV-Pressesprecherin
Telefon 030 / 82 79 08 – 29
E-Mail mueller@dov.org

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10. bklm-Treffen: Erklärung und neues Sprecherteam

Nicht nur das goldene Herbstwetter brachte den ersten runden Geburtstag zum Leuchten. Dazu trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem durchaus kritischen Meinungsaustausch ebenso bei wie die Gäste aus Politik und Hochschulleitung, die an der Podiumsdiskussion Zukunft der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen teilnahmen. Das zehnte Jahrestreffen der bklm fand am 26. und 27. Oktober in Stuttgart statt.

Selbstkritische Töne waren vernehmbar: Zu wenig greifbare Fortschritte in zehn Jahren. Gleichzeitig konnten an einzelnen Hochschulstandorten mit großem persönlichem Engagement der bklm-Vertreter Vergütungsfortschritte erzielt werden. Ein langer Atem ist auch weiterhin bei der strategischen Arbeit der bklm nötig. Dabei unterstützt die DOV vornehmlich durch ihre Expertise in Verbandsarbeit und Rechtsberatung.

Erklärungen verabschiedet

Im Rahmen der Schlusserklärung Der Freiraum der Lehrbeauftragten wurde hervorgehoben, dass die praktizierte Vergabe von Lehraufträgen mittels Verwaltungsakt reine Willkür darstellt. Um rechtssicher andere Wege beschreiten zu können, sind die Hochschulen auf Anpassungen der Landeshochschulgesetze angewiesen. Ziel ist, den Lehrauftrag als privatrechtlichen Vertrag auszugestalten. Ein Weg ist in der Stuttgarter „Reformatio“ vorgezeichnet, die auf dem Treffen ebenfalls verabschiedet wurde.

Neues Sprecherteam

In Stuttgart wählte die Bundeskonferenz auch ein neues Sprecherteam: Birgit Schmieder und Ulrike Höfer (Sprecherinnen), Hayo Keckeis, Christiane Neumann, Hans-Christian Hauser (stellvertretenden Sprecherinnen und Sprecher).

Das neue Sprecherteam

das neu gewählte Sprecherteam: Birgit Schmieder, Hayo Keckeis, Ulrike Höfer, Christiane Neumann, Hans-Christian Hauser (vlnr) c: Juan Martin Koch, nmz

Zur Erklärung Der Freiraum der Lehrbeauftragten gehts hier.
Zur Erklärung
Stuttgarter „Reformatio“ gehts hier.

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Was der Fall Hans-Christian Hauser über den Umgang mit Lehrbeauftragten sagt

Sie sind Freiwild. Die Deppen des akademischen Betriebs. An den Musikhochschulen ist der Umgang mit ihnen unter aller Sau. Sie werden ausgebeutet. Selten hat ein Journalist die jahrzehntelangen Missstände bei den Lehrbeauftragten so dezidiert auf den Punkt gebracht wie Karl Forster in der Süddeutschen Zeitung am 29. Oktober. Anlass für die pointierte Auseinandersetzung: Nachdem Hans-Christian Hauser 31 Jahre lang an der Münchner Hochschule für Musik und Theater unterrichtet hat, erhielt er in diesem Semester keinen Lehrauftrag mehr. Der Autor sieht in Hausers Fall ein Beispiel für den fragwürdigen Umgang mit den Lehrbeauftragten. Doch die wehren sich immer erfolgreicher.

Den Artikel können Sie hier lesen.

Am 26. und 27. Oktober nahm Hauser (3.v.r.) am 10. bklm-Treffen teil. Er engagiert er sich für bessere Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten und wurde ins bklm-Sprecherteam gewählt. c: Juan Martin Koch, nmz

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Berlin: mehr Engagement von den Politikern gefordert

Anlässlich des Hearings über Beschäftigungsbedingungen an den Berliner Hochschulen mit dem Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach (SPD), das am 25. September stattfindet, hat Tagesspiegel-Autorin Inga Barthels eine Zwischenbilanz zum Stand der Umsetzung der Berliner Hochschulverträge für 2018 bis 2022 vorgelegt. Mehrere Maßnahmen darin sollen die prekäre Situation der Lehrbeauftragten verbessern. Einige werden bisher nicht erfüllt. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage an den Senat hervor, die die Abgeordnete Bettina König (SPD) stellte.

Noch immer die gleichen Forderungen: schon beim Bundesweiten Aktionstag der Lehrbeauftragten am 6. November 2014 verlangten die Betroffenen Verbesserungen c: Christian v. Polentz

Vor allem die Vorgabe, dass Lehraufträge bei „absehbarem Bedarf“ für zwei Semester erteilt werden müssen, um mehr Planungssicherheit zu ermöglichen, wird von den Hochschulen bisher weitgehend ignoriert. Außerdem sollen die Unis für Daueraufgaben auch Dauerstellen schaffen: bis Ende 2020 für mindestens 35 Prozent der Beschäftigten des akademischen Mittelbaus. Hier sieht es besser aus. „Spitzenreiterin ist die FU, die in den letzten zwei Jahren 23 unbefristete Stellen in diesem Bereich geschaffen hat“, schreibt Barthels.

Zum Artikel im Tagesspiegel vom 23.09.2019 gehts hier.

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Prekäre Lehre an Hamburgs Hochschulen

Mehr als 20 Prozent der Lehre an Hamburgs Hochschulen übernehmen prekär beschäftigte Lehrbeauftragte. An der Hochschule für Musik und Theater sind es sogar 30 Prozent. Das geht aus einer Großen Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (Drs. 21/17376). Der Senat beruft sich bei seinen Antworten auch auf Auskünfte der Hochschule für Musik und Theater (HfMT).

Im Wintersemester 2018/19 gab es an den Hochschulen und am Uniklinikum Eppendorf insgesamt 2.560 Lehraufträge. Trotz wissenschaftlicher Qualifikation arbeiten die meisten Lehrbeauftragten zu Stundensätzen von 30 bis 60 Euro. Davon gehen noch die vollen Sozialversicherungsbeiträge ab. Vor- und Nachbereitung wird nicht vergütet. Es gibt auch kein Urlaubsgeld oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Martin Dolzer, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert, diese Missstände zu überwinden.

Zur Großen Anfrage gehts hier.

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Tagung: Lehrbeauftragte im Spannungsfeld aktueller Hochschulentwicklungen

Am 17. Mai hat eine Tagung zur Situation der Lehrbeauftragten an Hochschulen stattgefunden. Sie stand unter dem Motto Ohne Arbeitsvertrag und doch unersetzlich für die Lehre. Lehrbeauftragte im Spannungsfeld aktueller Hochschulentwicklungen und fand an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) statt. Veranstalter war das Projekt BwQF – Konzept zur nachhaltigen Förderung der Berufswege und der wissenschaftlichen Qualifizierung von Frauen* an der Hochschule.

Vernetzen sich, um ihren Forderungen noch mehr Gewicht zu verleihen: Lehrbauftragte an Musikhochschulen c Birgit Schmieder

Folgende Leitfragen wurden diskutiert:

Wie wird auf der politischen Ebene die berufliche Lage der Lehrbeauftragten bewertet und diskutiert?
Wie können Lehrbeauftragte sozial angemessen abgesichert werden?
Wie können Forderungen von Lehrbeauftragten mehr politische Wirkung erzielen?

Nach der Begrüßung durch die Rektorin der ASH Berlin, Prof. Dr. Bettina Völter, folgten Vorträge von Prof. Dr. Bernd Käpplinger zur Weiterbildungsforschung über Lehrende an Hochschulen und persönliche Erfahrungen einer Lehrbeauftragten. An der sich anschließenden Podiumsdiskussion Gute Arbeit in der Wissenschaft für Lehrbeauftragte beteiligten sich Berliner Politikerinnen und Politiker von SPD, Linke und Bündnis 90/Die Grünen sowie Vertreterinnen und Vertreter von GEW, ASH Berlin und der AG Lehrbeauftragte der Universität Erfurt.

Nach der Mittagspause wurde in Arbeitsgruppen über soziale Absicherung, Vernetzung, politische Strategien und kollegiale Fallberatung für promovierende Lehrbeauftragte diskutiert. Über die Ergebnisse wurde im Anschluss im Plenum berichtet. Die Tagung wurde von zwei externen Beobachtern begleitet und evaluiert.

Ergebnisse und Forderungen der Tagung waren:

Dauerstellen für Daueraufgaben (Gelder aus dem Hochschulpakt)
Vernetzung der Lehrbeauftragten in den Hochschulen auf Landes- und Bundesebene, aufbauend auf schon existierenden Vernetzungen wie der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) und dem Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss)
Personalvertretung für Lehrbeauftragte
Erhöhung der Lehrauftragsentgelte

Birgit Schmieder

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Lehrbeauftragte in Bayern wehren sich gegen Ausgrenzung per Fragebogen

Rund 900 Lehrbeauftragte arbeiten an den drei Musikhochschulen des Freistaats Bayern. Viele von ihnen unter prekären Bedingungen. Nun verlangen die Hochschulen von den Dozenten, in einer persönlichen Erklärung zu bestätigen, dass sie ihren Lebensunterhalt aus anderen Quellen bestreiten. Für die meisten stimmt das aber gar nicht, denn die Hochschulen setzen die Dozenten inzwischen besonders viel ein – als kostengünstigen Ersatz für Professoren. In einer Umfrage gab mehr als die Hälfte der Befragten an, existenziell von den Lehraufträgen abhängig zu sein.

Wie sich die Betroffenen – auch mit Unterstützung ihrer gewählten Interessenvertreter – dagegen wehren, stellt Jakob Wetzel in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung pointiert dar. Lesenswert!

Bereits im November 2017 streikten  Lehrbeauftragten in München    c Hans-Christian Hauser

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